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Wahrnehmung

In den Augen vieler Teilnehmenden und Beobachtenden ist das Aufsehenerregende an der Aufstellungsmethode in der Tat die vielfach beschriebene mediale Fähigkeit von Stellvertretern/Stellvertreterinnen, Dinge zu sehen und zu berichten, von denen sie keine Kenntnis hatten, bevor sie in die Aufstellung gingen, ja sogar Dinge, die die Klientin / der Klient über ihr/sein eigenes Familiensystem noch gar nicht wusste: eine Methode, die Geheimnisse lüftet.

Viele Autoren versuchen zu greifen, was dort geschieht: „Wenn wir sehen, dass wir als RepräsentantInnen der Elemente beliebiger Systeme in unserer körperlichen Selbstwahrnehmung unmittelbar beeinflusst werden können, wird uns deutlich, dass wir in systemischen Aufstellungen gewissermaßen zu Wahrnehmungsorganen des repräsentierenden Systems werden […]. Hierbei wird also unser Körper zum Wahrnehmungsorgan für Beziehungsstrukturen eines fremden Systems.“ (Varga von Kibéd, M., 2000, Unterschiede und tiefere Gemeinsamkeiten der Aufstellungsarbeit mit Organisationen und der systemischen Familienaufstellungen. In: Weber, G (Hrsg.), Praxis der Organisationsaufstellungen. Heidelberg: Auer, S.18). Hellinger beschreibt das Phänomen ebenfalls: „Dieses Kraftfeld [der Aufstellung] ist in Verbindung mit anderen Kraftfeldern, zum Beispiel mit der wirklichen Familie. Deswegen können die Stellvertreter, wenn sie da hineintreten, fühlen wie die wirklichen Personen“ (Hellinger, B., 2007, Die Quelle braucht nicht nach dem Weg zu fragen. 5. Auflage. Heidelberg: Auer., S. 197).

Auch wenn wir es weniger systemtheoretisch oder pathetisch formulieren: Die Wahrnehmung ist eine der ganz entscheidenden Funktionen in der Aufstellung. Es geht darum, dass wir sehen, hören, spüren, was Konstellationen und deren Veränderung, was Personen und die Beziehungen zu ihnen und was Emotionen und Assoziationen in uns auslösen. 

Ganz besonders wichtig sind die Wahrnehmungen von Stellvertretern und Stellvertreterinen in einer Aufstellung. Sie spüren sich sehr tief in die Person hinein, die sie in der Aufstellung vertreten, und können sich mit sensibler Wahrnehmung ganz auf diese Person einlassen und beschreiben, wie sie Situationen und Konstellationen aus der Perspektive, die sie in der Aufstellung einnehmen, erleben und empfinden.

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