Thema des Monats November 2021:

Beziehungsbrüche – Aufstellung für Menschen in Beziehungskrisen

Beziehungen zeigen ihre Stärke und ihre Stabilität ganz besonders in Krisen. Das gilt für Freundschaften ebenso wie für die Paarbeziehung oder auch für andere Formen des Zusammenlebens von Menschen. So lange Geben und Nehmen in einem guten Ausgleich sind, der Austausch im Fluss ist und Nähe, Geborgenheit und Vertrauen wie selbstverständlich da sind, ist es wunderschön und bereichernd, in einer Beziehung zu sein.

Wenn aber für einen Menschen in einer Beziehung oder für beide oder, wenn es um mehrere geht, für alle, die an einer Beziehung beteiligt sind, Fragen aufkommen, die nicht beantwortet werden, wenn die Gewissheit über Liebe, Beistand, Zuwendung, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit des oder der anderen ins Wanken gerät, sind Beziehungen in der Krise. Die Gründe dafür können so vielfältig sein wie das Leben.

Oft tun Menschen sich dann schwer, sich ehrlich und offen auszutauschen. Man findet nicht die richtigen Worte, man sieht die Sache nur aus dem eigenen Blickwinkel, reagiert aus verletzten Gefühlen heraus, unternimmt selbst etwas, das der, dem oder den anderen weh tut oder ihn/sie verunsichert. Die Krise gewinnt ihre eigene Dynamik der Verunsicherung, der Verletzung und der darauffolgenden Trauer und Wut. In das klärende Gespräch einzusteigen, wird mit zunehmender Dauer der Krise oft schwerer und erscheint irgendwann fast unmöglich.

Zudem ist es für die Beteiligten oft nicht leicht, zu sehen und zu sagen, aus welchen eigenen Mustern und Verletzungen heraus sie das Handeln des oder der anderen so schlimm und verstörend erleben.

In die wichtigen Lebensbeziehungen tragen wir sehr häufig und sehr intensiv, gerade angesichts von Schwierigkeiten und Verletzungen, unsere persönlichen Reaktions- und Verhaltensweisen hinein, die wir in ganz anderen Zusammenhängen erlernt und fest verankert haben. Die eigene Familie, aus der wir stammen, frühere Beziehungen, in denen wir gelebt haben, hinterlassen ihre Spuren in uns.

Angesichts bestimmter Konstellationen, wenn jemand, den wir lieben, sich so verhält, wie jemand anderes, der uns schon viel früher sehr verletzt hat, oder wenn wir nur glauben, jemand handle in einer bestimmten, uns bedrohlich erscheinenden Absicht, dann läuft in vielen von uns ein Film ab, durch den wir das Vergangene ins Hier und Jetzt tragen. Wir reagieren dann oft gar nicht mehr auf das, was gerade ist, sondern auf etwas, das wir bereits erlebt, vielleicht nicht verarbeitet und in uns gespeichert haben. Häufig erscheinen dann den anderen unsere Reaktionen wiederum völlig unverständlich und unangemessen. Entsprechend ziehen sie sich zurück, wehren sich oder reagieren zunehmend abweisend. Im schlimmsten Fall wecken unsere Verhaltensweisen dann bei dem oder den anderen ebenfalls alte Empfindungs- und Verhaltensmuster. Dann reagiert auch er oder sie plötzlich unverständlich, massiv, fragwürdig, irritierend. Beide oder alle Beteiligten agieren aus alten, oft sehr schweren emotionalen Belastungen heraus und nicht mehr aus dem Hier und Jetzt. Dramatisierungen, Verschiebungen der Problemlage und Missverständnisse bestimmen dann das Erleben der Beziehung.

Aufstellungen ermöglichen uns, diese Verwirrungen und Verstrickungen zu sehen, die Dinge zu sortieren, auf das zu schauen, was JETZT relevant und wichtig ist und das Alte nicht das Neue bestimmen zu lassen. Wir können wieder miteinander reden, wir sehen wieder das wahre Gesicht des oder der anderen und nicht mehr die Gesichter derjenigen, an die uns die Ereignisse erinnert haben. Wir können die echten und ernsthaft zu entscheidenden Fragen benennen und klären.

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